(…) Eine witzige Idee ist die Aktion „Bier & Pizza“, bei der dem Gast das Essen im Pizzakarton aufs Zimmer gebracht wird. So verdient man selbst an diesem Service, anstatt die Snackboxen umliegender Schnellrestaurants zu entsorgen, und der Gast bleibt im Haus. Vier verschiedene hausgemachte Pizzen stehen zur Wahl, wobei auch Sonderwünsche berücksichtigt werden. Wir bestellten eine Salami-Zwiebel-Pizza und baten darum, das Bier gegen einen Milchkaffee auszutauschen. Kein Problem; die Bestellung wurde von der freundlichen Dame wiederholt, wie es Standard sein sollte, (...) Beim Öffnen des Kartons kam dann allerdings die Ernüchterung: Die Pizza war mit allem belegt, nur nicht mit Salami und Zwiebeln. Schmunzeln mussten wir, als die Dame auf unsere Eröffnung, sie könne die Pizza wieder mitnehmen, der Belag sei falsch, in gebrochenem Deutsch sagte: „Bestellung besser bei mir aufgeben, Kollegen hören nicht immer richtig zu. Ich gebe den Auftrag jetzt selbst in die Küche.“ So weit, so gut. Knapp eine halbe Stunde später, mittlerweile war es halb neun, stand sie wieder vor der Tür und brachte außer der Pizza eine Schale mit Schokotäfelchen mit, die sie uns als kleine Entschädigung hinstellte. Beim Anheben des Kartondeckels stieg dann eine Mischung aus Ärger und Mitleid auf, denn auch diesmal war es die falsche Pizza. Unsere Bemerkung, wir wollten nicht erst um Mitternacht essen, war ihr sichtlich unangenehm, denn bis zum Verlassen des Raums hatte sie sich schon mehrfach entschuldigt. (...) Denn eines ist klar: Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht; entscheidend ist aber, wie damit dann umgegangen wird. Das kann man nicht besser formulieren als mit dem bekannten Goethe-Spruch, der im Zimmer über dem Bett hing: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“
(Mövenpick, Frankfurt)