(…) Es sind ja die Geschichten rund um ein Hotel, die meist deutlich interessanter sind als die Frage der nüchternen Hardwarefakten, vor allem solche, in denen „es menschelt“ und die einen ungewohnten Einblick in diesen Mikrokosmos geben. Was war also passiert? Wenn ein Gast eincheckt, ist es gängige Praxis der Hotels, sich über eine Kreditkarte einen Betrag als Deposit bei dem Kartenunternehmen zu reservieren, um so die Kosten für den Aufenthalt abzusichern. Dass es einem Gast gelingen kann, sich über mehr als zwei Jahre in einem Hotel einzumieten, ohne zu bezahlen, erscheint vor diesem Hintergrund fast ausgeschlossen. Doch in der Tat hatte sich ein Ehepaar hier über einen unfassbar langen Zeitraum von mehr als zwei Jahren einquartiert, ohne am Ende die Rechnung zu begleichen. Dass Frau General Managerin damit leider eindrucksvoll gezeigt hat, dass sie nur über wenig Führungsstärke verfügt und in Gänze versagt hat, muss da kaum noch betont werden. (…) Derartige Betrüger verfügen in der Regel über ein entsprechendes Auftreten und meist über Charme, Eloquenz und eine beachtliche Überzeugungskraft. Anfänglich soll das Ehepaar auch einen kleinen Betrag bezahlt, sich dann aber recht schnell über angebliche Missstände im Haus beschwert haben. Die vorgetragenen Defizite waren eher Petitessen als ernstzunehmende Mängel und nach einer sachlichen Kritik klangen die Beschwerden erst recht nicht. Als die Forderungen immer weiter stiegen und sich die kostenfreie Logis selbst mit angeblichen weiteren Mängeln nicht mehr rechtfertigen ließ, wurden die Gäste rührselig, (…) Auch wenn derartige Berichte von Zechprellern nicht unbekannt sind, so ist diese Geschichte in einer solchen Form und in ihrem Ausmaß beispiellos. Jakob Stöhrer hat, nachdem ihm die Verantwortung übertragen wurde, richtigerweise umgehend durchgegriffen und machte Schluss mit dem Luxus- und Lotterleben der Einmietbetrüger auf Kosten des Hotels. (…) einem Karriereknick hätte führen können. (…)
(Nassauer Hof, Wiesbaden)