(…) Es war einmal ein kleiner Journalist und Buchautor, der wollte am Hofe von Johann Lafer, dem größten Koch aller Zeiten, empfangen werden. So fragte er in Stromberg, wo der Kochkönig residierte, an, ob das doch so große Küchengenie Johann Lafer ihn für ein Interview am Hofe der Stromburg empfangen würde oder ob man zumindest eine Führung durch sein Reich bekommen könne. Natürlich sprach der Kochkönig nicht persönlich mit dem Supplikanten, dazu hatte er ja auch keine Zeit, denn wenn er nicht in der Fernsehküche steht und seine Untertanen via Bildschirm an den Ausgeburten seiner Kreativität teilhaben läßt, dann schreibt er wieder an einem seiner großen Kochbücher. ...
Natürlich antwortete der Monarch, wie auch am Hofe anderer Könige üblich, nicht persönlich, sondern ließ über die für ihn tätige Agentur PR-Profitable durch die Inhaberin Lydia Malethon folgendes ausrichten: „Von einem Besuch auf der Stromburg bitten wir Sie abzusehen. Täglich erreichen uns Anfragen von Journalisten, Autoren und Fotografen. Wir haben uns deshalb entschlossen, nur einige wenige auserwählte Vertreter der Medien persönlich auf die Stromburg einzuladen. (…)
Wo käme man da auch hin, schließlich kann doch nicht jeder Interessierte die Stromburg besuchen, nur weil er glaubt, er müsse ein Buch schreiben. Und natürlich gibt es Auskünfte nur auf dem schriftlichen Wege, denn würden alle so einfach telefonisch darum bitten – sicherlich wären das täglich Hunderte, wenn nicht Tausende, könnte die PR-Agentur von Lydia Malethon einer geregelten Tätigkeit nicht nachgehen und die Leitungen würden zusammenbrechen.
(Stromburg, Stromberg)